Onkologische Erkrankungen

Wie häufig ist erblicher Krebs?

Jedes Jahr erkranken in Schleswig-Holstein ca. 3000 Frauen neu an Brustkrebs und ca. 2300 Menschen neu an Darmkrebs (Angaben der Schleswig-Holsteinischen Krebsgesellschaft für 2010). Ca. 70% dieser Krebserkrankungen entstehen zufällig. Ca. 30% treten familiär gehäuft auf, wobei nur etwa 5-10% auf Veränderungen (Mutationen) in einzelnen Genen beruhen. Derartige Veränderungen sind erblich. Sie werden an 50% der Kinder vererbt, unabhängig vom Geschlecht.

 

Woran erkennt man, ob eine Krebserkrankung erblich ist?

Das kann nur im Rahmen einer genetischen Beratung und ggf. durch eine genetische Untersuchung (sog. Gentest) geklärt werden. Dabei werden je nach Krebserkrankung verschiedene Gene am Blut des Krebspatienten auf Veränderungen hin untersucht.

 

Hinweise auf eine erbliche Veranlagung können sein:

  • vergleichsweise junges Erkrankungsalter
  • verschiedene Krebserkrankungen bei einer Person
  • mehrere Erkrankte in einem Familienzweig
  • bestimmte Kombinationen von Krebserkrankungen  (z.B. Brust- und Eierstockkrebs; Darm-, Gebärmutter-, Bauchspeichdrüsen-, Magen- und Blasenkrebs usw.)

 

Wie läuft ein Gentest ab?

Voraussetzung für einen aussagekräftigen Gentest ist in der Regel, dass ein(e) erkrankte(r) Verwandte(r) (= Indexpatient) eine Blutprobe von sich zur Verfügung stellt. Erst wenn ein Zusammenhang zwischen einer Krebserkrankung und einer Genveränderung hergestellt wurde, ist eine zuverlässige Testung gesunder Verwandter aussagekräftig. Den Gentest sollte ein dafür qualifizierter Facharzt im Rahmen einer genetischen Beratung nach einer gewissen Bedenkzeit für Sie veranlassen. Das Ergebnis sollte Ihnen ebenfalls im Rahmen einer genetischen Beratung erläutert werden.

 

Welchen Nutzen bringt ein Gentest?

Sowohl für Gesunde als auch an Krebs Erkrankte aus Familien, welche bestimmte Verdachtskriterien erfüllen, kann ein Gentest hilfreich sein: Im Falle eines auffälligen Ergebnisses ermöglicht der Test eine auf das individuelle Risiko angepasste, intensivierte Früherkennung/Nachsorge sowie in einigen Fällen auch vorbeugende Maßnahmen. Wenn die familiäre Veranlagung hingegen ausgeschlossen wird, können unnötige Sorgen genommen werden. Dann reichen die altersentsprechenden Früherkennungsmaßnahmen aus, weil kein erhöhtes Krebserkrankungsrisiko besteht. Auch wenn das Wissen um ein möglicherweise deutlich erhöhtes Krebserkrankungsrisiko belastend wirken kann, ermöglicht ein Gentest oft eine selbstbestimmte Gesundheitsvorsorge.

 

Wer trägt die Kosten für einen Gentest?

Wenn bestimmte Verdachtskriterien erfüllt sind, werden die Kosten für den Gentest und meist auch auf Basis des Testergebnisses empfohlene Früherkennungsmaßnahmen von den Krankenkassen übernommen. Trotzdem empfiehlt es sich im Einzelfall, diese  Frage vor der Blutentnahme mit Ihrem Arzt und Ihrer Krankenkasse  zu klären.

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