Myeloproliferative Neoplasien (MPN)

Zu den häufigsten Chromosomenaberrationen der myeloproliferativen Neoplasien gehören Deletionen in 20q und 13q, Trisomien 8 und 9 sowie strukturelle Veränderungen in 1q, 5q, 7q und 8p. Bei den MPN mit Eosinophilie ließen sich strukturelle Veränderungen in 4q12 (PDGFRA), 5q32(PDGFRB) und 8p11 (FGFR1) nachweisen. Das Auftreten komplexer Chromosomenveränderungen ist in der Regel mit einer Transformation in ein MDS oder eine AML assoziiert.

Unter MPN ließen sich Chromosomenveränderungen am häufigsten bei primärer Myelofibrose (PMF) nachweisen. Prognostische Bedeutung dieser Aberrationen wurde von Tefferi et al., (Leukemia 2018) im Risikoscore GIPPS abgebildet.

Günstige Prognose:

    unauffälliger Karyotyp, isolierte Veränderungen der Geschlechtschromosomen einschließlich Verlust des Y-Chromosoms, Translokationen/Duplikationen des Chromosoms 1, Trisomie 9, 13q-Deletion und 20q-Deletion

ungünstige Prognose:

    Trisomie 8 und alle anderen Veränderungen, die weder eine günstige noch eine sehr schlechte Prognose haben.

sehr hohes Risiko:

    komplexer Klon (mehr als 3 Veränderingen) oder isoliert auftretende inv(3) / 3q21-Rearrangements, Monosomie 7, 11q-Deletion / 11q23-Rearrangements, 12p-Deletion / 12p11.2-Rearranegments, i(17q), alle autosomalen Trisomien außer Trisomien 8 und 9.

Desweiteren treten bei myeloproliferativen Neoplasien auch rekurrente Genmutationen auf, deren Nachweis die Klassifikation erleichtert. Diese Genmutationen betreffen insbesondere die Gene JAK2, MPL und KIT. Die Mutation V617F im Exon 14 des JAK2-Gens ist beim überwiegenden Teil der Patienten mit einer MPN ohne BCR-ABL1-Rearrangement nachweisbar. Bei Patienten mit PV und niedrigen Erythropoietin-Werten ohne V617F-Mutation sind häufig Mutationen im Exon 12 des JAK2-Gens nachweisbar. Bei Patienten mit essentieller Thombozythämie ohne V617F-Mutation treten hingegen gehäuft Mutationen der Gene CALR und MPL-Gens auf. Bei der systemischen Mastozytose ist die D816V-Mutation im KIT-Gen die häufigste rekurrente Genmutation.

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