Akute myeloische Leukämie (AML)

Gemäß WHO-Klassifikation der hämatologischen Neoplasien 2016 werden Chromosomenveränderungen bei der AML als unabhängige Klassifikationsparameter genutzt. Sowohl bei der AML de novo als auch bei der therapieassoziierten AML (tAML) hat der Nachweis von Chromosomenveränderungen eine prognostische Bedeutung. Dabei unterscheidet man zwischen AML mit einem normalen Karyotyp (46,XX/46,XY), AML mit balancierten Veränderungen wie (z. B. den Translokationen t(8;21)(q22;q22), t(15;17)(q22;q21) oder der Inversion (16)(p13q22)) und AML mit unbalancierten Veränderungen. Unbalancierte Veränderungen können numerischer (z. B. Trisomie 8 oder Monosomie 7) oder struktureller Art (z.B. 5q-Deletion oder 7q-Deletion) sein. Desweiteren treten bei der AML auch rekurrente Genmutationen auf.

Prognostische Bedeutung der Chromosomenaberrationen bei der AML

(nach Burnett et al., 2015 bzw. Döhner et al., Blood 2017)

Günstiger Verlauf:

    t(15;17)(q22,q21), t(8;21)(q22;q22), inv(16)(p13q22) oder t(16;16)(p13.1;q22) (auch bei Nachweis einer Sekundäraberration mit ungünstiger Prognose wie z.B. Monosomie 7)

Günstiger bis Intermediärer Verlauf:

    unauffälliger Karyotyp (Korrelation mit Ergebnissen den molekulargenetischen Untersuchungen (s. unten) erforderlich).

Intermediärer Verlauf:

    t(9;11)(p21.3;q23.3), alle anderen Chromosomenaberrationen, die nicht der o.g. günstigen oder der u.g. ungünstigen Prognose zuzuordnen sind.

Ungünstiger Verlauf:

    t(6;9)(p23;q34.1), t(V;11q23.3) oder 11q23-Veränderungen, t(9;22)(q34;q11), inv(3)(q21.3q26.2) oder t(3;3)(q21.3;q26.2), Monosomie 5 oder 5q-Deletion, Monosomie 7, Monosomie 17 oder Veränderungen in 17p, jede autosomale Monosomie in Kombination mit einer weiteren klonalen Veränderung, komplex aberranter Karyotyp mit drei oder mehr Chromosomenveränderungen.

Prognostische Bedeutung der häufigsten Genmutationen bei der AML

Risikokategorie Genetische Veränderung
Günstig NPM1-Mutation ohne oder mit geringer Mutationslast einer FLT3-ITD-Mutation
Biallelische CEBPA-Mutation
Intermediär NPM1-Mutation mit hoher Mutationslast einer FLT3-ITD-Mutation
NPM1-Wildtyp ohne oder mit geringer Mutationslast einer FLT3-ITD-Mutation
Ungünstig NPM1-Wildtyp mit hoher Mutationslast einer FLT3-ITD-Mutation
RUNX1-Mutation
ASXL1-Mutation
TP53-Mutation

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